Silikonölfreie Augeninjektionen (IVOM) – Ein wenig beachteter Aspekt der modernen Netzhauttherapie
Folgenbeschreibung:
Millionen intravitreale Medikamenteninjektionen (IVOM) werden jedes Jahr durchgeführt – sie gehören heute zu den größten Erfolgen der modernen Netzhautmedizin und haben die Behandlung vieler Netzhauterkrankungen grundlegend verändert. Erkrankungen wie die feuchte altersbedingte Makuladegeneration (AMD), das diabetische Makulaödem oder Netzhautvenenverschlüsse können durch Anti-VEGF-Therapien häufig über viele Jahre stabilisiert und Sehvermögen erhalten werden.
Doch obwohl sich die Medikamente kontinuierlich weiterentwickelt haben, blieb ein entscheidender Bestandteil der Behandlung lange nahezu unverändert: die Spritze.
Konventionelle Spritzen werden meist mit Silikonöl beschichtet, damit sich der Kolben leicht bewegen lässt. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass dabei Silikonöltröpfchen in den Glaskörper gelangen können. Diese können als störende Glaskörpertrübungen (Floaters) wahrgenommen werden und werden mit entzündlichen Reaktionen sowie weiteren potenziellen Risiken in Verbindung gebracht. Eine aktuelle Metaanalyse berichtet, dass nach intravitrealen Injektionen bei mehr als der Hälfte der behandelten Augen Silikonölpartikel nachweisbar sind. Gleichzeitig weisen aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass silikonölfreie Spritzensysteme dieses Risiko reduzieren können.
In dieser Episode von Retina Innovation sprechen wir mit Merlina Wojta und Nicholas Stromer, zwei Apothekern von SJJ Solutions, über die Entwicklung eines silikonölfreien Spritzensystems für die präzise Applikation kleiner Volumina, das heute vor allem in der Ophthalmologie eingesetzt wird.


Merlina Wojta und Nicholas Stromer
Gemeinsam beleuchten wir die Rolle von Silikonöl in herkömmlichen Spritzen, die Bedeutung von Dosiergenauigkeit, Totraumvolumen und aseptischer Herstellung sowie die Frage, welchen Beitrag innovative Applikationssysteme zu einer präziseren Dosierung, einer höheren Prozessqualität und möglicherweise auch zu mehr Patientensicherheit leisten können.
Darüber hinaus geht es um die Zusammenarbeit mit Krankenhausapotheken und Herstellbetrieben, internationale Lieferketten sowie die wissenschaftliche Forschung hinter der Entwicklung neuer Injektionssysteme.
Im Anschluss hören Sie ein englischsprachiges Interview mit Jasper Schootstra, Geschäftsführer und Mitgründer von SJJ Solutions. Er berichtet über die Entstehung des Familienunternehmens, die Entwicklung der silikonölfreien Zero Residual®-Spritze, die regulatorischen Herausforderungen bei Medizinprodukten sowie über die Vision des Unternehmens, innovative Applikationssysteme für die Ophthalmologie und weitere medizinische Anwendungsgebiete zu entwickeln.
Kurze Zusammenfassung des englischsprachigen Interviews:
Jasper Schootstra gibt spannende Einblicke in die Entstehung und Entwicklung des niederländischen Familienunternehmens. Er erzählt, wie aus der Idee seines Vaters – eines Krankenhausapothekers – eine speziell für hochpräzise Medikamenteninjektionen entwickelte Spritze entstand, die heute insbesondere in der Augenheilkunde zum Einsatz kommt. Im Gespräch erläutert er die besonderen Anforderungen an intravitreale Injektionen, die Bedeutung einer exakten Dosierung und die Vorteile silikonölfreier Spritzensysteme für die Patientensicherheit und Behandlungsqualität. Darüber hinaus spricht er über den Wandel von SJJ Solutions vom reinen Produktentwickler zu einem Unternehmen, das neben innovativen Medizinprodukten auch wissenschaftliche Forschung, klinische Zusammenarbeit und Fortbildungsangebote für medizinisches Fachpersonal in den Mittelpunkt stellt. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs sind die komplexen regulatorischen Anforderungen für Medizinprodukte in Europa, den USA und anderen internationalen Märkten sowie die Herausforderungen bei der weltweiten Zulassung innovativer Technologien. Abschließend gibt Jasper Schootstra einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Unternehmens, neue Injektionsverfahren in der Ophthalmologie und weitere Innovationsfelder, die über die Augenheilkunde hinausreichen.
Weiterführende Informationen zum Thema:
Metaanalyse zur Prävalenz von Silikonöl nach intravitrealen Injektionen
Eine Metaanalyse von zehn Studien ergab eine Prävalenz von 57,56 % für eine Kontamination mit intravitrealem Silikonöl (SiO) nach intravitrealen Injektionen (IVIs). Die Studie legt nahe, dass silikonisierte Spritzen und fest eingesetzte Nadeln das Kontaminationsrisiko erhöhen können und dass die Verwendung von SiO-freien Spritzen und aufsetzbaren Nadeln Komplikationen reduzieren könnte.
Retina Innovation vermittelt Entwicklungen, die heute bereits verfügbar sind – verständlich erklärt und mit klarem Bezug zum praktischen Nutzen für Betroffene.
Disclaimer:
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