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Barrierefreier Nahverkehr: Für blinde Fahrgäste beginnt das Problem oft vor der Haltestelle

ADAC-Test zeigt Lücken bei der Orientierung blinder Fahrgäste

Ein Leitstreifen am Bahnsteig reicht nicht, wenn blinde Menschen die Haltestelle kaum finden können. Ein aktueller Test des ADAC zeigt deutliche Lücken bei der Barrierefreiheit des öffentlichen Nahverkehrs.

Der ADAC hat knapp 150 Haltepunkte in zehn deutschen Städten untersucht. Dabei wurde auch die Perspektive ortskundiger blinder Fahrgäste berücksichtigt.

Auf den ersten Blick fällt die Bilanz bei den Haltesteigen positiv aus: 93 Prozent verfügten über Leitstreifen an der Bordsteinkante. Diese taktilen Bodenmarkierungen helfen blinden Menschen bei der Orientierung und sichern den Bereich zur Fahrbahn oder zu den Gleisen ab.

Schwieriger wird es jedoch schon auf dem Weg zur Haltestelle. Nur 58 Prozent der untersuchten Haltesteige hatten einen Auffindestreifen im Gehweg. Dieser lässt sich mit dem Langstock ertasten und weist den Weg zur Haltestelle.

Besonders problematisch können Radwege sein, die den Zugang zur Haltestelle kreuzen. Fehlen dort ertastbare Bodenmarkierungen, kann ein blinder Fußgänger unter Umständen nicht erkennen, dass er einen Radweg betritt. Nur 16 Prozent der untersuchten Radwegquerungen waren nach Angaben des ADAC mit den erforderlichen Bodenindikatoren ausgestattet.

Zwischen den Städten gab es große Unterschiede. In Bielefeld und Chemnitz waren alle untersuchten Haltesteige mit Auffindestreifen versehen. In Mainz und Magdeburg traf dies nur auf rund jeden fünften zu.

Der Test macht damit deutlich: Barrierefreiheit besteht nicht aus einzelnen Ausstattungsmerkmalen. Damit Menschen mit Sehverlust Bus und Bahn selbstständig nutzen können, muss die gesamte Wegekette funktionieren – vom Gehweg über die Orientierung an der Haltestelle bis zum sicheren Einstieg.

Die Ergebnisse sind allerdings keine repräsentative Bestandsaufnahme für ganz Deutschland. Der ADAC untersuchte ausgewählte Haltepunkte in zehn Städten. Sie zeigen deshalb vor allem, an welchen Stellen bei der Gestaltung des öffentlichen Nahverkehrs weiterhin Probleme bestehen.

Hier der Link zu dem vollständigen Bericht.

Veröffentlicht in Allgemeines