Wenn KI die Augen unterstützt: Chancen und Risiken für Menschen mit Sehverlust
Künstliche Intelligenz kann für blinde und sehbehinderte Menschen zu einem wichtigen Werkzeug werden. Apps können bereits heute Bilder beschreiben oder Informationen über die Umgebung liefern. Künftig könnten KI-Systeme noch stärker in tragbare Assistenztechnik und andere Hilfsmittel integriert werden.
Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) fordert deshalb, die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen von Anfang an bei der Entwicklung solcher Systeme zu berücksichtigen. Eine entsprechende Entschließung hat der Verbandstag des DBSV verabschiedet.
Der Verband sieht große Chancen. KI kann beispielsweise Objekte und Situationen erkennen und die Informationen als Text oder Sprache ausgeben. Das könnte Menschen mit Sehverlust im Alltag, bei der Arbeit oder bei der Orientierung unterstützen.
Der DBSV weist aber auch auf Risiken hin. KI-Systeme können falsche Informationen erzeugen. Bei Assistenzanwendungen kann das problematischer sein als bei einer gewöhnlichen Internetrecherche. Deshalb fordert der Verband, Sicherheit und Verlässlichkeit besonders zu berücksichtigen und unsichere Informationen erkennbar zu machen.
Auch der Datenschutz spielt eine wichtige Rolle. Smarte Brillen, Apps zur Umgebungserkennung und andere Assistenzsysteme können sensible Informationen über den Alltag ihrer Nutzer erfassen. Der DBSV spricht sich deshalb dafür aus, Daten möglichst direkt auf dem jeweiligen Gerät zu verarbeiten.
Eine weitere Forderung betrifft den Zugang: KI-gestützte Hilfsmittel sollen nicht allein wegen ihrer Kosten für Menschen mit Sehverlust unerreichbar bleiben.
Die Entschließung bewertet keine einzelnen Produkte und belegt auch nicht, wie zuverlässig heutige KI-Sehhilfen bereits arbeiten. Sie formuliert vielmehr Anforderungen an Politik, Forschung und Hersteller. Entscheidend wird sein, ob zukünftige KI-Systeme nicht nur leistungsfähiger, sondern auch barrierefrei, sicher und für Menschen mit Sehverlust tatsächlich nutzbar werden