Zahlen machen sichtbar, was hinter dem Thema Sehverlust steckt.
Sie zeigen, ab wann Sehen rechtlich eingeschränkt ist, wie viele Menschen betroffen sind und welche gesellschaftliche Bedeutung Augenerkrankungen haben.
Diese Auswahl an Zahlen, Daten und Fakten hilft Ihnen, Sehverlust besser einzuordnen – verständlich, überprüfbar und kompakt.
2 Prozent Sehschärfe (Visus) ist in Deutschland die Schwelle, ab der eine Person als gesetzlich blind gilt. Dabei wird nicht nur die Sehschärfe berücksichtigt: Auch schwere Einschränkungen des Gesichtsfeldes können zur Einstufung als blind führen, selbst wenn der Visus höher liegt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Blindheit und Sehbehinderung weniger streng als das deutsche Recht.
Nach WHO-Kriterien liegt die Schwelle bei unter 5 Prozent Sehschärfe.
In der Europäischen Union gilt eine Erkrankung als selten, wenn nicht mehr als
5 von 10.000 Menschen betroffen sind.
Diese Einordnung trifft auch auf viele erblich bedingte Netzhauterkrankungen (Inherited Retinal Diseases, IRD) zu.
6 Punkte bilden die Grundlage der Blindenschrift, die Louis Braille vor über 200 Jahren entwickelt hat.
Menschen, die spät erblinden – insbesondere ältere Menschen mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD) – erlernen die Brailleschrift häufig nicht mehr.
30 Prozent Sehschärfe (Visus) ist die Grenze, ab der eine Person in Deutschland offiziell als sehbehindert gilt.
Diese Schwelle ist relevant für die Anerkennung von Nachteilsausgleichen.
Gleichzeitig gilt:
Bereits bei einem Visus von unter
50 Prozent auf dem besseren Auge ist man nicht mehr fahrgeeignet.
Das kann erhebliche Einschränkungen der Mobilität bedeuten, ohne dass bereits eine offizielle Sehbehinderung vorliegt.
Erblich bedingte Netzhauterkrankungen führen häufig zu einem fortschreitenden Sehverlust, der bis zur Erblindung führen kann.
Trotz großer Fortschritte in der Forschung sind diese Erkrankungen derzeit in
99,9 Prozent der Fälle nicht ursächlich therapierbar.
Über
300 Gene sind heute bekannt, deren Veränderungen erblich bedingte Netzhauterkrankungen verursachen können.
Innerhalb dieser Gene existieren zahlreiche Mutationen, die Verlauf, Symptome und Vererbung beeinflussen.
Ein Teil dieser Erkrankungen ist syndromal, das heißt: Neben den Augen sind auch andere Organe betroffen, zum Beispiel:
- Hörverlust beim Usher-Syndrom
- Stoffwechselstörungen beim Refsum-Syndrom
- Multisystemerkrankungen wie das Bardet-Biedl-Syndrom
Die Gesamtzahl der Menschen mit erblich bedingten Netzhauterkrankungen in Deutschland wird auf
50.000 bis 70.000 Betroffene geschätzt.
Diese Spannbreite ergibt sich aus der Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen und der fehlenden zentralen Erfassung.
Zahlen-Dilemma
Für valide Zahlen ist die Datenlage in Deutschland schwierig, da es kein zentrales Register für erblich bedingte Netzhauterkrankungen gibt.
Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband beschreibt diese Situation als „Zahlen-Dilemma“.
In Deutschland sind schätzungsweise knapp 500.000 Menschen über 65 Jahre von der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (AMD) betroffen.
Diese Form der AMD kann mit einer IVOM-Therapie behandelt werden.
IVOM steht für intravitreale operative Medikamentengabe. Dabei wird ein Medikament unter sterilen Bedingungen direkt in den Glaskörperraum des Auges injiziert.
Über 1.000.000 Injektionen gibt es pro Jahr in Deutschland bei der feuchten Form der AMD.
Intravitreale operative Medikamentengaben (IVOM) gehören zu den häufigsten augenärztlichen Eingriffen in Deutschland.
Aktuellen Fachveröffentlichungen zufolge werden jährlich über 1.000.000 IVOM-Injektionen durchgeführt – Tendenz steigend.
Der überwiegende Teil der altersbedingten Makuladegeneration liegt als trockene AMD vor, für die es derzeit keine zugelassene ursächliche Therapie gibt.
Insgesamt leben in Deutschland rund
7.500.000 Menschen mit einer Form der AMD.
Damit zählt die AMD zu den häufigsten Ursachen für Sehverlust im höheren Lebensalter.
41.100.000 Menschen (41,1 Millionen) in Deutschland tragen eine Brille.
Was viele nicht wissen: Brillen können nicht jede Sehstörung ausgleichen.
Insbesondere dann, wenn die Netzhaut betroffen ist, lässt sich auch mit einer bestmöglich korrigierten Sehhilfe häufig kein ausreichendes Sehvermögen mehr erreichen, so dass manche Personen trotz Brille als sehbehindert oder blind gelten. In solchen Fällen liegt keine klassische Fehlsichtigkeit vor, sondern eine Augenerkrankung, die andere Formen der Unterstützung erfordert.
49.600.000.000 Euro werden durch Sehbehinderung und Blindheit in Deutschland jährlich als Kosten verursacht. (49,6 Milliarden Euro).
Bis zum Jahr 2050 wird aufgrund des demografischen Wandels ein Anstieg der Betroffenen um etwa 25 Prozent erwartet.
Bedeutung dieser Zahlen
Diese Zahlen zeigen:
- Sehverlust ist vielschichtig – juristisch, medizinisch, genetisch und gesellschaftlich.
- Erbliche Netzhauterkrankungen sind selten im statistischen Sinn, aber für Betroffene hochrelevant.
- Altersbedingte Erkrankungen wie AMD sind häufig und stellen das Gesundheits- und Versorgungssystem vor große Herausforderungen.
Hinter jeder Zahl stehen Menschen mit Lebensplänen, Hoffnungen und Fragen.
Sehverlust kann jeden treffen. Ihn zu verhindern, früh zu erkennen oder besser zu begleiten, ist eine gemeinsame Aufgabe.
Der beste Sehverlust ist der, der gar nicht erst auftritt.