Sehverlust im täglichen Leben
Sehverlust wirkt sich nicht nur auf das Sehen selbst aus, sondern auf viele ganz alltägliche Situationen. Häufig sind es nicht einzelne Tätigkeiten, sondern kleine Veränderungen im Alltag, die zunächst verunsichern.
Dabei gilt:
Alltag und Orientierung lassen sich anpassen.
Viele Menschen finden im Laufe der Zeit neue Wege, um selbstständig, sicher und aktiv zu bleiben.
Veränderungen wahrnehmen und ernst nehmen
Mit Sehverlust können sich alltägliche Abläufe verändern, zum Beispiel:
- Lesen von Texten oder Displays
- Erkennen von Gesichtern
- Orientierung in unbekannter Umgebung
- Einschätzen von Entfernungen oder Stufen
- Sicherheit bei wechselnden Lichtverhältnissen
Diese Veränderungen treten oft schleichend auf. Es ist normal, dass sie zunächst irritieren oder verunsichern. Wichtig ist, sie wahrzunehmen und nicht zu bagatellisieren.
Orientierung ist mehr als Sehen
Orientierung im Alltag basiert nicht ausschließlich auf dem Sehen. Viele Menschen nutzen – bewusst oder unbewusst – zusätzliche Orientierungshilfen, zum Beispiel:
- Hören (Geräusche, Stimmen, Verkehr)
- Tasten (Geländer, Bodenstrukturen)
- Routinen und vertraute Wege
- klare Strukturen in der Umgebung
Diese Fähigkeiten können gezielt gestärkt und genutzt werden.
Den Alltag Schritt für Schritt anpassen
Es ist nicht notwendig, alles auf einmal zu verändern. Oft helfen kleine Anpassungen, zum Beispiel:
- bessere Beleuchtung in wichtigen Bereichen
- klare Kontraste in der Wohnung
- feste Plätze für häufig genutzte Gegenstände
- übersichtliche Strukturen
Solche Anpassungen können Sicherheit geben und den Alltag spürbar erleichtern.
Selbstständigkeit bewahren
Viele Menschen mit Sehverlust legen großen Wert darauf, selbstständig zu bleiben. Das ist verständlich und gut möglich – auch wenn sich Wege und Strategien im Laufe der Zeit verändern.
Selbstständigkeit bedeutet nicht, alles allein bewältigen zu müssen.
Sie bedeutet, informierte Entscheidungen zu treffen und Unterstützung dann zu nutzen, wenn sie sinnvoll ist.
Unterstützung annehmen – ohne sich zu verlieren
Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Umsicht.
Ob Austausch mit anderen Betroffenen, Informationen zu Hilfsmitteln oder rechtliche Orientierung – Unterstützung kann entlasten und neue Perspektiven eröffnen.
Welche Angebote hilfreich sind, ist individuell verschieden und kann sich im Laufe der Zeit ändern.
Unser Ansatz bei Retina plus e.V.
Als gemeinnütziges Experten- und Selbsthilfenetzwerk von Betroffenen für Betroffene wissen wir, dass Alltag und Orientierung sehr persönliche Themen sind.
Wir möchten Mut machen:
- sich Zeit zu nehmen
- eigene Grenzen zu respektieren
- neue Möglichkeiten kennenzulernen
Hilfestellung bei Orientierung und Mobilität (O&M) und Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF) gibt es durch Schulungen der
Rehabilitationslehrer. Diese können bei Ihnen wohnortnah erfolgen oder als Kurs. Weitere Informationen dazu gibt es hier:
https://www.rehalehrer.de/rehalehrerinnensuche
Wenn Sie Fragen haben oder sich orientieren möchten, unterstützen wir Sie gerne:
beratung@retinaplus.de