Sehverlust wird durch augenärztliche Untersuchungen und standardisierte Messverfahren festgestellt. Die Ergebnisse helfen, das Ausmaß der Einschränkung zu beurteilen, den Verlauf einzuschätzen und – falls erforderlich – rechtliche Schritte vorzubereiten.
Warum die Feststellung wichtig ist
Die fachärztliche Feststellung von Sehverlust ist Grundlage, um:
- die Ursache und das Ausmaß der Sehbeeinträchtigung zu verstehen,
- Veränderungen im Verlauf zu erkennen,
- geeignete Unterstützungs- und Anpassungsmöglichkeiten zu finden,
- bei Bedarf rechtliche Anträge (z. B. Schwerbehindertenausweis) zu stellen.
Dabei geht es nicht um eine einzelne Messung, sondern um eine medizinische Gesamtbewertung.
Wer stellt Sehverlust fest?
Die medizinische Feststellung von Sehverlust erfolgt durch:
- Augenärztinnen und Augenärzte
- ggf. spezialisierte augenärztliche Zentren
Für rechtliche Verfahren werden die ärztlichen Befunde anschließend von den zuständigen Behörden ausgewertet.
Optiker oder Augenarzt – wer ist zuständig?
Sowohl Optiker als auch Augenärztinnen und Augenärzte spielen eine Rolle – jedoch mit klar unterschiedlichen Aufgaben.
Optikerinnen und Optiker
- führen Sehtests durch,
- passen Brillen oder Kontaktlinsen an,
- erkennen Auffälligkeiten und empfehlen ggf. eine ärztliche Abklärung.
Optiker stellen keine medizinischen Diagnosen und können keine rechtlich relevanten Befunde ausstellen.
Augenärztinnen und Augenärzte
- untersuchen die Augen medizinisch,
- diagnostizieren Augenerkrankungen,
- beurteilen das Ausmaß eines Sehverlusts,
- erstellen Befunde für rechtliche Verfahren.
Eine rechtliche Einstufung von Sehbehinderung oder Blindheit ist ausschließlich auf augenärztlicher Grundlage möglich.
Wichtig:
Bei neuen, zunehmenden oder ungeklärten Sehveränderungen sollte immer eine augenärztliche Untersuchung erfolgen – auch wenn zuvor ein Sehtest beim Optiker durchgeführt wurde.
Wichtige Untersuchungen bei Sehverlust
Nicht alle Untersuchungen sind in jedem Fall notwendig. Häufig gehören dazu:
Sehschärfe (Visus)
Misst, wie gut Details erkannt werden können – z. B. beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern.
Gesichtsfeld
Erfasst, was seitlich wahrgenommen wird. Einschränkungen zeigen sich z. B. als Tunnelblick oder fehlende Bereiche.
Kontrast- und Blendempfindlichkeit
Auch bei relativ guter Sehschärfe können Einschränkungen den Alltag erheblich beeinträchtigen, z. B. bei hellem Licht oder in der Dämmerung.
Weitere Untersuchungen
Je nach Fragestellung z. B. Farbsehen, Dämmerungs- und Nachtsehen oder bildgebende Verfahren zur Beurteilung der Netzhaut.
Medizinische Diagnose und rechtliche Bewertung
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:
- medizinischer Diagnose (z. B. eine bestimmte Augenerkrankung)
- rechtlicher Bewertung des Sehvermögens
Die Diagnose beschreibt die Erkrankung.
Die rechtliche Bewertung orientiert sich an messbaren Einschränkungen des Sehvermögens nach gesetzlichen Vorgaben.
Beides hängt zusammen, ist aber nicht identisch.
Welche Unterlagen sind wichtig?
Für Anträge (z. B. Schwerbehindertenausweis) werden in der Regel benötigt:
- aktuelle augenärztliche Befunde,
- dokumentierte Messwerte (z. B. Sehschärfe, Gesichtsfeld),
- ggf. ergänzende Gutachten.
Es ist sinnvoll, ärztliche Unterlagen geordnet aufzubewahren und regelmäßig zu aktualisieren.
Zunehmend werden Sehtests auch außerhalb von Arztpraxen und Optikfachgeschäften angeboten, etwa in Drogeriemärkten. Solche Tests können Hinweise auf Veränderungen geben, erlauben jedoch keine medizinische Diagnose und keine rechtlich relevante Bewertung des Sehvermögens.
Bei auffälligen Ergebnissen oder anhaltenden Sehproblemen sollte immer eine augenärztliche Abklärung erfolgen.
Retina plus e. V. beobachtet diese Entwicklungen und informiert über neue Einordnungen, sobald belastbare Erkenntnisse vorliegen.
Unser Hinweis als Retina plus e. V.
Als gemeinnütziges Experten- und Selbsthilfenetzwerk von Betroffenen für Betroffene wissen wir, dass Untersuchungen und Befunde verunsichern können.
Es ist wichtig und richtig,
- Fragen zu stellen,
- sich Ergebnisse erklären zu lassen,
- und Unterstützung bei der Einordnung zu suchen.
Wenn Sie unsicher sind, was Ihre Befunde bedeuten oder welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten, unterstützen wir Sie gerne orientierend:
beratung@retinaplus.de